Texte

Zu ‚mare nostrum‘ anläßlich der ‚Rue des Arts‘ in Schorndorf 2015

Das  Holzstück, das bei einem Sturm aus einem Baum herausgedreht, herausgerissen wurde, zeigt eine große Zerstörungskraft. Es erinnert an eine zerschmetterte Bootsplanke, die am Strand angespült sein kann. Es liegt nicht ebenerdig, sondern auf einem Sockel (einem Bildhauerbock). Einerseits um von dem Gedanken einer Inszenierung wegzukommen, und um deutlich zu machen, es ist ein Kunstgegenstand. Das Motiv der Aufbahrung klingt an. Daneben läuft auf einem Handy ein Video, eine Strandaufnahme, die stetig wiederkehrende Brandung, ein sehr weit entfernter Horizont, irgendwann laufen zwei Menschen, von denen nur die Beine zu sehen sind, durchs Bild; das Leben geht weiter , einige bleiben auf der Strecke…
Meine erste Idee war das Video in der Ausstellung per Beamer groß zu projizieren. Anfang 2015 wurde das Elend der Flüchtlinge so dramatisch, dass ich von einer großen Projektion absah. Ein Handy, Alltagsgegenstand, Nachrichtenübermittler, in Afrika wohl auch Übermittler der Nachrichten von Menschen, die es ‚geschafft‘ haben, Hoffnungsträger und Unheilsbote, schien mir angemessener.


Zu ‚Ruderboots Traum‘ anläßlich der ‚Rue des Arts‘ in Schorndorf 2015

Ruderboots Traum

Oder der Traum der Menschen von einem Boot. Ihr Traum von einem sicheren Boot, jenseits der Gefahren des Meeres und der Stürme des Himmels. Ihr Traum von gefahrloser Flucht und gelingendem Ankommen. Der Traum der Menschen von einem Boot, das Sicherheit und Freiheit verspricht. Das die Tür zu einem neuen Leben öffnet.
Wird dahinter auch die Situation des Bootes auf dem See Genezareth sichtbar, in der Jesus die Jünger in ihrem Boot aus Angst und Verzweiflung rettete? Ist es so Ausdruck einer letzten Hoffnung von flüchtenden Menschen, ihr Leben doch erhalten zu können?
Aber es ist ein leeres Boot. Spricht es davon, dass die in ihm übersetzenden Menschen bereits das Ufer erreicht haben und schon gerettet sind? Dann kann das Boot durchaus auch Ausdruck bereits erfüllter Hoffnung sein und nicht entfernt von jenem Boot sprechen, in dem die Toten über den Styx geführt wurden.
Das Boot bleibt auf diese Weise, zwischen Himmel und Erde, situationsbezogen, aber gedankenoffen.

Klaus Dangschat


Pressetext zur Ausstellung ‚Boote und Gefäße‘ 2015, kunstundraum.berlin

In kunstundraum.berlin, einem neuen Ort für Kunst in Reinickendorf, zeigt die Bildhauerin Susanne Schill ihre Gefäßskulpturen und Installationen.
Bevorzugte Materialien sind Keramik und Gips. Formen, die in sich kraftvoll und geschlossen, oft auch körperhaft wirken, werden aufgebrochen, glatte,’heile‘ Flächen verlieren sich in Rissen und Brüchen.
Eine Weiterführung der Objekte sind photographische Inszenierungen zum Bild, ein Moment, der Raum für Assoziationen öffnet.
Demgegenüber stehen die Boote, mal als ein schwebendes Traumgebilde, mal als ein am Ende aller Hoffnung Zerschelltes („mare nostrum“).


Eigendarstellung:

Nach dem Studium der klassischen Bildhauerei mit Versuchen in vielen Materialien, liegen meine Schwerpunkte jetzt im Bereich Ton und Gips, in den letzten Jahren Beschäftigung mit keramischen Gefäßskulpuren, hier vor allem Schalen als ‚empfangende‘ Gefäße und Vasenpaare.
Fortführungen dazu sind fotografische Inszenierungen und Rauminterpretationen mit religiöser Thematik, das ‚Sein‘ im Raum, das Thema der Dunkelheit, das Spiel mit Licht und Schatten.